Google verlässt China
March 26, 2010 – 4:21 amMan hat es schon eine ganze Weile vorraussehen können, jetzt ist es soweit. Die Datenkrake Google hat das Land der Mitte, auch bekannt unter dem Namen China, verlassen. Die Ziele hat Google genannt: Zensur ist uncool. Doch wie will Google China und die kommunistische Partei dazu bewegen die Zensur aufzugeben? Wie passt der aktuelle Rückzug aus China in dieses Konzept?
Zunächst einmal die Fakten zusammengefasst: Google hat von seiner Chinasuchwebseite http://google.cn eine simple Weiterleitung auf die Hong Kong Version der Suchmaschine eingerichtet. Damit hat Google die Selbstzensur in China zwar beendet, dennoch steht den Chinese damit keine unzensierte Googlesuchmaschine zur Verfügung.
Die Chinesische Große Firewall kann nämlich bereits tief in die versendeten Datenpakete blicken und unerwünschte Abfragen bereits herausfiltern bevor sie an der Suchmaschine ankommen. Wer also auf dem Staatsgebiet Chinas sitzt und google.com.hk nutzen will, um beispielsweise nach dem Tian An Men Massaker zu suchen bekommt weiterhin eine Fehlermeldung, dass die Verbindung leider abgebrochen ist. Ein anderes interesanntes Bild sieht man, wenn man nach etwas unverfänglichem wie “grüne Bachforellen” sucht. Dabei bekommt der Festlandchinese eine Ergebnisliste, einschließlich Seiten die in China verboten sind (Twitter, Facebook, Youtube,…). Erst bei dem Versuch solche verbotenen Seiten zu öffnen bekommt der Nutzer dann eine Fehlermeldung. Wer bisher eine gleichartige Suche auf der alten google.cn Seite versucht hatte, bekam solche Links erst gar nicht zu sehen. Man sieht, China ist kein Computer Analphabet und kennt sich aus mit der modernen Technik.
Was jetzt? In der staatlich kontrollierten Presse posaunt man heraus, dass Google das Gesetzt gebrochen hat. Die westliche Presse verneint dass, denn es ist eine Weiterleitung auf eine ausländische Seite eingerichtet worden, auf der ausländisches Recht gilt. Würde man aber in Deutschland eine Webseite einrichten, die eine Weiterleitung auf eine ausländische Webseite mit illegalen Inhalten bereithält, so könnte diese auch bald geschlossen sein.
Doch so leicht ist dieser spezielle Fall nicht. Hong Kong ist einerseits China, andererseits ist es doch nicht China. Man würde den Hong Kong Chinesen ziemlich vor den Kopf stoßen, wenn ihre Webseiten plötzlich nicht mehr auf dem Festland öffnen könnte. Bereits jetzt gibt es viele Stimmen in Hong Kong, die sich die Unabhängigkeit von China zurückwünschen, da der große Bruder Festlandchina sich eher wie ein Platzhirsch hervortut, der den kleinen Bruder Hong Kong einverleiben will ohne auf seine Traditionen und Kultur zu achten.
Aber auch auf dem Festland würde man sich schnell wundern warum denn die Google Hong Kong Seite plötzlich gesperrt ist. Bereits jetzt beneidet man Hong Kong wegen seines Reichtums. Insofern sind die Machthaber in Beijing wohl gezwungen den Zugriff auf Google Hong Kong weiter zu erlauben.
Weiterhin hat Google keinen kompletten Rückzug aus China vollzogen. Nur die Suchsparte wurde geschlossen. Eine Forschungs und Entwicklungsabteilung soll weiter in China bestehen bleiben. Der Grund ist klar. Langfristig will man wohl wieder in den Chinamarkt einsteigen. Zwar sind die Chinesen noch relativ arm, aber die Wohlstand wächst in atemberaubender Geschwindigkeit. Vor allem in den modernen Küstenstädten ist ein Wohlstandsniveau wie in vielen Großstädten Südeuropas erreicht. Shanghai kann sogar mit den Gesäftszentren in Mitteleuropa konkurieren. Das Umland ist zwar wesentlich ärmer, aber es ist wohl nur eine Frage von wenigen Jahrzehnten bis auch dort sich Einfamilienhäuser mit Vorgarten und mindestens zwei Autos jeweils aneinanderreihen. Und spätestens dann ist der Markt so wertvoll, dass man über ein bisschen Selbstzensur wohl hinwegschaut. Wenn diese dann überhaupt noch erforderlich ist.








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